Interview Jörg Schneider mit «Total dureknallt» in Embrach
«Potz Holzöpfel und Zipfelchappe» – Jörg Schneider ist wieder da. Aber nicht als Kasperli, sondern als lebensmüder Dichter in einer himmeltraurigen Komödie.
Interview: Karin Steiner (Zürcher Unterländer)
Seit über 50 Jahren ist er ein fester Bestandteil der Schweizer Theaterszene. Aber auch TV-Soaps wie «Motel» und «Lüthi & Blanc» drückte er seinen Stempel auf. Kultstatur erreichte Jörg Schneider mit der Vertonung von 41 schweizerdeutschen Kasperlistücken, die über zwei Millionen Mal verkauft wurden.
Noch heute, mit 74, ist Jörg Schneider ein unermüdlicher Schaffer. Wenn er nicht Theater spielt, ist er mit seinen Stücken auf Tournee.
So wie dem Protagonisten Ihres neuen Stücks «Total dureknallt», einem ideenlosen Schriftsteller, scheint es Ihnen nicht zu ergehen. Die Ideen scheinen nur so aus Ihnen herauszusprudeln …?
Jörg Schneider: Das mit dem «Heraussprudeln der Ideen» stimmt leider nicht ganz. Oft sitzt man stundenlang vor einem leeren Blatt Papier, bevor dann endlich der Funke springt. Der Wahrheit zuliebe muss ich beifügen, dass die Stücke, welche wir spielen, nicht von mir sind. Ich übersetze sie in unseren Dialekt und bearbeite sie für unsere schweizerischen Verhältnisse. Trotzdem braucht es natürlich auch eigene Ideen. Die kommen aber selten spontan, sondern oft auf Spaziergängen, beim Autofahren oder in der Nacht beim Nachdenken im Bett.
Was macht «Total dureknallt» zu einem besonderen Leckerbissen?
«Total dureknallt» ist eine ursprünglich französische Komödie mit einem teilweise etwas schwarzen Humor. Eine unglaublich abstruse Handlung, schräge Figuren und knallige Pointen machen das Stück zu einem wirklichen Lachschlager.
Welche Kriterien müssen bei einem Stück erfüllt sein, dass es Sie reizt, es auf die Schweizer Bühnen zu bringen?
Ein Stück muss für uns, wie ich sage «tournéetauglich» sein. Das heisst möglichst nur eine Dekoration benötigen, ein nicht zu grosses Ensemble, und vor allem eine Handlung haben, die sowohl in städtischen, wie auch in ländlichen Gebieten Anklang findet. Und natürlich muss eine tolle Rolle für mich drin sein.
Haben Sie schon Pläne für das nächste Jahr?
Im März bis Mai 2010 spiele ich im Theater am Hechtplatz in Zürich und anschliessend auf Tournée eine Komödie zusammen mit Vincenzo Biagi «Scho wieder Sunntig». Ein etwas anspruchsvolleres Stück, das neben viel Humor auch ernste Szenen hat. Im Herbst bis im Frühjahr 2011 nehmen wir «Total dureknallt» wieder auf. Dann im Bernhard-Theater und nochmals auf Schweizer-Tournée.
Ihre Person verbinden Jung und Alt mit der beliebten Kasperli-Figur. Stört Sie das manchmal?
Die enorme Popularität meiner Kasperlistücke freut mich natürlich. Ich möchte nur nicht persönlich als Kasperli angesprochen werden. Ich habe als Schauspieler dem Kasper meine Stimme gegeben und dies vor vielen Jahren. Dass der Erfolg noch heute anhält, damit habe ich nie gerechnet. Ich bin schon etwas stolz darauf. Trotzdem stört es mich, wenn eine erwachsene Person auf mich zeigt und sagt: «Schau dort, das ist der Kasperli!» Ein Kind hat sich den Kasper vermutlich nicht als älteren, untersetzten Mann vorgestellt.
Gönnen Sie sich auch hin und wieder Auszeiten?
Im Sommer mache ich Ferien, und dies wenn immer möglich von Juni bis Ende August. Es müsste schon ein ganz aussergewöhnliches Angebot kommen, dass ich diese Freizeit unterbrechen würde. Schliesslich habe ich dies auch meiner Frau versprochen, die während acht Monaten an fünf Tagen in der Woche abends allein ist.
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